Co-Parenting

Keine Liebesbeziehung und trotzdem ein Kind

Co-Parenting bedeutet, dass sich zwei oder mehrere Personen ohne Liebesbeziehung entscheiden, ein Kind zu bekommen und großzuziehen. WĂ€hrend Co-Parenting in den USA bereits seit den 60er-Jahren gelebt wird, findet es erst seit geraumer Zeit in Europa mehr Zuspruch. Diese Familienform ist ein Weg zur Kinderwunschrealisierung fĂŒr Homosexuelle und Paare oder Einzelpersonen.

Durch Foren, auf dem gezielt Menschen mit einem Kinderwunsch nach einem Co-Elternteil oder sogar mehreren Co-Elternteilen suchen, ist die Realisierung und der Austausch möglich. Wie hoch der Bedarf ist, zeigt die Mitgliederzahl der Website Co-Eltern.de, zum 23.07.2021 waren 119.096 Mitglieder auf der Plattform angemeldet. Ebenso stieg die Anzahl der Mitglieder auf der Website familyship.org ĂŒber die letzten Jahre stetig an.

Was ist Co-Parenting?

Die Soziologin Christine Wimbauer bezeichnet die Familienform als postromantische Elternschaft. Das Konzept beschreibt die Möglichkeit ein Kind zu bekommen, ohne mit dem Co-Elternteil in einer Liebesbeziehung zu sein. Kurz gesagt: Zwei oder mehrere Personen mit Kinderwunsch „kooperieren“, um den Kinderwunsch meist ĂŒber kĂŒnstliche Befruchtung zu realisieren. Besonders fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare kann sich diese Möglichkeit eignen. Auch der Zuwachs und Zuspruch heterosexueller Menschen mit Kinderwunsch im Bereich des Co-Parentings fiel Christine Wagner, einer GrĂŒnderin von familyship auf:

„Dass das wĂ€chst und wĂ€chst, womit wir am Anfang ĂŒberhaupt nicht gerechnet haben. Dass wir gedacht haben, das ist so eine kleine Nische fĂŒr Schwule und Lesben und das war‘s, dass da sich auch viele Heteros fĂŒr interessieren. Zum Beispiel Frauen um die 40, die nicht den richtigen Partner gefunden haben bisher. Oder MĂ€nner, die sagen, ich war jahrelang total vorsichtig, alle meine Freunde haben Kinder. Ich habe gerade keine Freundin, bin Mitte 40. Ich möchte jetzt auch nicht mit 60 Vater werden, kann ich zwar, will ich aber nicht. Die einfach nach alternativen Wegen suchen oder die sagen, ja mit der Liebe das hĂ€lt immer so zwei, drei Jahre, dann ist es vorbei.“ (Zitat: Christine Wagner, Interview vom 26.06.2017 im Deutschlandfunk Kultur)

Welche Formen gibt es?

Die Familienkonstellationen des Co-Parentings sind sehr individuell. So gibt es beispielsweise die Ausgestaltungen: lesbisches Paar geht eine Co-Elternschaft mit einem homosexuellen Mann ein, eine alleinstehende Frau kooperiert mit einem gleichgeschlechtlichen Paar oder ein heterosexuelles Paar mit unerfĂŒlltem Kinderwunsch geht in eine Co-Elternschaft mit einem heterosexuellen Mann, der nur eine „Onkel-Funktion“ erfĂŒllen möchte. Wie die Co-Elternschaft ausgestaltet werden soll, wird von den beteiligten Personen, wĂ€hrend dem Kennenlernen abgestimmt und entschieden.

Passende Auswahl eines Co-Elternteils

Bei der Auswahl eines Co-Elternteils sollte sich genug Zeit gelassen werden. Die eigenen Vorstellungen und Erwartungen sollten mit den potenziellen Co-Partnern besprochen werden und ĂŒbereinstimmen. Die grundlegenden Erziehungsvorstellungen und Werte sollten gleich sein. So können spĂ€ter weniger Konflikte entstehen. Der Aspekt Ehrlichkeit sollte von beiden Seiten gelebt werden, um eine nachhaltige Co-Elternschaft eingehen zu können. Ein wichtiger Aspekt ist die finanzielle Ausgestaltung und Einbringung beider Seiten. Auch der Umgang mit Abmachungen und grundlegende Themen sollten im Voraus umfassend besprochen werden. Die Ausgestaltung einer „Elternvereinbarung“ kann eine bindende Lösung darstellen.

Regelung Rechte und Pflichten

Um Konfliktpotenziale zu verringern, kann eine Elternvereinbarung aufgesetzt werden. Die Vereinbarung ist vergleichbar mit einem Ehevertrag und regelt die Rechte und Pflichten der einzelnen Personen. Gleichzeitig stellt ein Vertrag eine Absicherung fĂŒr das Kind dar, um z.B. spĂ€tere UnterhaltsansprĂŒche vorab festzulegen. Wir empfehlen die Einbindung eines Anwalts.

Die rechtlichen Aspekte sind je nach Ausgestaltung der Co-Elternschaft sehr individuell. Sind beispielsweise 3 Personen involviert, muss im Vorfeld festgelegt werden, welche 2 Personen das Sorgerecht erhalten sollen und ob eine Dauervollmacht (z.B. Abholung von der Kita, Besuch von Arztterminen etc.) erstellt werden soll. Eine weitere Herausforderung kann bei lesbischen Paaren die Adoption des Kindes darstellen. In Deutschland ist die rechtliche Lage im Bereich der Familienformen noch nicht auf alle Möglichkeiten des Co-Parentings ausgelegt. GemĂ€ĂŸ dem deutschen Recht können nur 2 Personen das Sorgerecht fĂŒr ein Kind erhalten.

Vorteile Co-Parenting

Ein Vorteil kann die Tatsache sein, dass in der Co-Parent-Beziehung i.d.R. keine störenden GefĂŒhle vorhanden sind. Die Ebenen befinden sich eher auf freundschaftlicher als auf partnerschaftlicher Basis. So wird auch das Konfliktpotenzial verringert. Der Zeitpunkt der Befruchtung kann selbst bestimmt werden. WĂ€hrend dem Kennenlernen sollten die gewĂŒnschten Erziehungsformen und Werte besprochen worden sein, sodass spĂ€ter an einem Strang gezogen werden kann. Da die Ausgestaltung der verschiedenen Konstellationen individuell ist, ist diese Familienform fĂŒr viele Menschen so interessant. Der Fokus liegt in dieser Form auf dem Kind und ein weiterer Vorteil kann der Zugewinn von „Bonus-Eltern“ bei der Beteiligung mehrerer Personen sein.

Nachteile Co-Parenting

Auf den ersten Blick kann Co-Parenting eine passende Lösung sein, aber was passiert, wenn ein neuer Partner bzw. eine neue Familie hinzukommt? Die Verantwortung gegenĂŒber dem Co-Elternteil bzw. den Co-Elternteilen und dem Kind bleibt bestehen. Dies sollte im Vorfeld gut durchdacht werden. Es können im Voraus Absprachen getroffen bzw. in einer Vereinbarung verankert werden. Die Einhaltung dieser Absprachen ist von hoher Wichtigkeit. Ein gewisses Maß an KonfliktfĂ€higkeit sollte vorhanden sein, um ggf. auch Kompromisse einzugehen. In jeglicher Hinsicht sollte das Kindeswohl immer im Vordergrund stehen und in allen Absprachen berĂŒcksichtigt werden.

 

 

Aus unserer Sicht ist die Familienform des Co-Parentings eine schöne Möglichkeit, um den Kinderwunsch realisieren zu können. Da das Kindeswohl im Normalfall im Fokus steht, befĂŒrworten wir dieses Familienmodell.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine grobe Zusammenfassung des Themas Co-Parenting. Wir werden dieses Thema noch ausfĂŒhrlich mit Checklisten und unserem P4B-Check behandeln.

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