Ist der Schwangerschaftstest nach einer langjährigen Kinderwunschreise positiv, ist die Freude groß. Doch es können Ängste hinsichtlich des Fehlgeburtsrisikos auftauchen. Obwohl viele Fehlgeburten stattfinden, wird dieses Thema in der Gesellschaft tabuisiert und Frauen fühlen sich nach einer Fehlgeburt häufig alleingelassen. Das Fehlgeburtsrisiko ist nicht bei allen Frauen gleich, bestimmte Faktoren wie beispielsweise Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe, Vorgeschichte und Lebensweise ergeben ein individuelles Fehlgeburtsrisiko für jede Frau.

Ein internationales Expertenteam aus Paris hat 2021 eine Studie veröffentlicht, in der eine von 7 Schwangerschaften weltweit mit einer Fehlgeburt endet und mindestens eine von zehn Frauen mindestens eine Fehlgeburt durchlebt. Weltweit beläuft sich die Zahl der Fehlgeburten pro Jahr auf etwa 23 Millionen. Dies bedeutet, dass pro Minute etwa 44 Fehlgeburten stattfinden. Dies geht aus einem Beitrag der Online-Zeitschrift www.aerzteblatt.de hervor.

Was ist eine Fehlgeburt?

Eine Fehlgeburt wird in der medizinischen Fachsprache „Abort“ genannt. Dabei wird zwischen einem Früh- und Spät-Abort unterschieden. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche spricht man von einem Früh-Abort, in den darauffolgenden Wochen von einem Spät-Abort. Etwa 12-24 % aller schwangeren Frauen erleiden eine Fehlgeburt, dies entspricht in etwa jeder 6. Frau.

Für eine Fehlgeburt muss es im Normalfall keine spezifischen Gründe im Körper von Frau und Mann geben, es handelt sich dabei eine fehlerhafte Entwicklung des Embryos, der in der Regel so keine Überlebenschance hat und auf natürliche Art und Weise selektiert wird.

Bei sich wiederholenden Fehlgeburten sollte eine Untersuchung durch einen Gynäkologen erfolgen. Die WHO spricht von einer wiederkehrenden Fehlgeburt, wenn mindestens 3 aufeinanderfolgende Fehlgeburten vor der 20. Schwangerschaftswoche stattgefunden haben.

Vor der 24. Schwangerschaftswoche kann das Fehlgeburtsrisiko erhöht sein. Bei Fehlgeburten handelt es sich in den meisten Fällen um ein Neugeborenes ohne Lebenszeichen und einem Körpergewicht unter 500g. Liegt das Körpergewicht des Kindes über 500g, handelt es sich um eine Todgeburt des Kindes. Aufgrund des medizinischen Fortschritts können mittlerweile auch leichtere und früher geborene Kinder überleben.

Wenn noch keine Schwangerschaft bekannt ist und es zu einer Fehlgeburt kommt, kann es passieren, dass diese gar nicht als Fehlgeburt, sondern als „verspätete Monatsblutung“ bemerkt wird. Dies war zu früheren Zeiten aufgrund der Diagnostik häufiger der Fall als heute. In diesem Zusammenhang wird häufig von einer Missed Abortion (verpasste bzw. unbemerkte Fehlgeburt) gesprochen.

Eine drohende Fehlgeburt findet statt, wenn noch der Herzschlag des Kindes vorhanden ist und wird begleitet von Blutungen, Schmerzen im Unterleib, Wehen und Fruchtwasserabgang. In einer solchen Situation wird die Mutter stationär aufgenommen und es gilt abzuwarten, ob eine Fehlgeburt eintritt.

Wenn eine Fehlgeburt stattgefunden hat, gibt es die Möglichkeiten einer Ausschabung oder einer natürlichen Abblutung. Bei der natürlichen Abblutung „verabschiedet“ sich der Körper selbst vom Kind. Die Ausschabung ist ein operativer Eingriff, bei dem die Gebärmutterschleimhaut ausgeschabt wird.

Wann ist das Fehlgeburtsrisiko am höchsten?

In den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten ist das Fehlgeburtsrisiko am höchsten. Häufig treten die Fehlgeburten in den ersten Wochen der Schwangerschaft auf. Aus diesem Grund warten viele werdende Mütter die ersten 12 Wochen ab und erzählen erst nach Ablauf des Zeitraums von ihrer Schwangerschaft.

Welche Faktoren beeinflussen das Fehlgeburtsrisiko?

Das Fehlgeburtsrisiko kann von unterschiedlichen und auch individuellen Gründen beeinflusst werden. Hierzu unterscheiden wir nachfolgend in positive und negative Faktoren:

Positive Faktoren:

  • Gesunder Lebensstil: ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, moderate Bewegung (Schwimmen, leichte Gymnastik und Wandern), Verzicht von Rausch- und Genussmittel
  • Nahrungsergänzungsmittel während der Schwangerschaft: Jod, Eisen und Folsäure
Fehlgeburtsrisiko - Pro / Contra

Negative Faktoren:

  • Alter der Eltern: Mit zunehmenden Alter ist das Fehlgeburtsrisiko erhöht, da es häufiger zu Chromosomenfehlverteilungen und hormonellen Schwankungen kommen kann.
  • Nikotin: Das Rauchen beider Eltern beeinflusst das Risiko einer Fehlgeburt.
  • Alkohol / Koffein: Mehr als 4 Tassen Kaffee am Tag können eine Schwangerschaft negativ beeinflussen.
  • Nachtarbeit
  • Stress
  • Luftverschmutzung / Pestizide
  • Strenge Diäten / Untergewicht
  • Bluthochdruck
  • Medikamente
  • Diabetes
  • Diverse Erkrankungen

Was kann ein Auslöser für eine Fehlgeburt sein?

Die Auslöser einer Fehlgeburt sind individuell und von Frau zu Frau zu betrachten. Verschiedene Erkrankungen, Fehlbildungen und Störungen können das Fehlgeburtsrisiko erhöhen.

Die häufigsten Auslöser einer Fehlgeburt sind:

  • Chromosomenstörungen
  • Fehlbildungen der Spermien oder der Plazenta
  • Einnistung einer nicht befruchteten Eizelle
  • Blasenmole (Störung der Embryoentwicklung)
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Gebärmutterhalsschwäche
  • Hormonelle Störungen
  • Infektionen
  • Autoimmunkrankheiten (u.a. APS – Antiphospholipid-Syndrom)

Was passiert, wenn man eine Fehlgeburt hat?

Es gibt unterschiedliche Symptome, die eine Fehlgeburt begleiten können. Bei folgenden Symptomen sollte unbedingt ein Gynäkologe aufgesucht werden:

  • Blutungen
  • Schmerzen bzw. Ziehen im Unterleib
  • Krämpfe im Unterbauch
  • Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein
  • Trüber vaginaler Ausfluss
  • Schmerzen im unteren Rückenbereich

Beim Gynäkologen wird mit einer Ultraschalluntersuchung der Herzschlag des Kindes überprüft. Anhand dessen wird entschieden, ob eine Ausschabung durchgeführt werden muss.

Wie ist der Umgang mit einer Fehlgeburt?

Das Durchleben einer Fehlgeburt kann als schwerer Verlust empfunden werden. Bereits in den ersten Wochen einer Schwangerschaft, können starke Gefühle der Schwangeren für das ungeborene Kind entstehen. Durch den Verlust können u.a. leichte Depressionen und stärkere Angstgefühle entstehen. Enttäuschung, Wut, Trauer und Selbstvorwürfe können infolge einer Fehlgeburt dominierende Gefühle sein.

Auch Männer trauern, meist jedoch kürzer und weniger intensiv als Frauen, da die Verbindung zum Ungeborenen noch nicht so ausgeprägt ist als bei der Mutter.

Letztlich leidet jeder Mensch anders und es ist wichtig die aufkommenden Gefühle zuzulassen. Auch professionelle therapeutische Unterstützung kann dabei helfen das traumatische Ereignis zu verarbeiten. Denn nach einer Fehlgeburt sollte man sich Zeit lassen, um das Erlebte zu verarbeiten und den Körper zu regenieren. Ob es sich um den Austausch mit dem Partner, der Familie, Freunden oder Frauen, die selbst eine Fehlgeburt erlebt haben, handelt – über die Fehlgeburt zu reden kann sehr helfen.

Leider ist das Thema Fehlgeburt immer noch ein Tabuthema. Trotz einer Fehlgeburt kann eine erfolgreiche Schwangerschaft möglich sein. Das Fehlgeburtsrisiko ist immer individuell zu betrachten, da das Risiko nicht bei allen Schwangeren gleich hoch ausgeprägt ist.